Samstag, 30. Juni 2012

Vom Chobe zum Okawango

Mit Umarmung und winkend nahmen wir Abschied von Alta und crew, die einen gefühlvollen Abschiedssong sang. Wieder einmal fühlten wir uns auf Zovu Elephant heimisch, umsorgt und willkommen. Per Boot wurden wir zu dem uns mittlerweile gut bekannten Immigration Office gebracht. Dort wartete bereits der beauftragte Kleinbus, da unsere Route zunächst schnurgerade und autoarm durch die braun-grüne Buschsavanne des Chobe Nationalparks in Botswana verlief. Am Straßenrand noch einige auf  Touristen neugierige Elefanten, Büffel, Strauße, Meerkatzen und Rindviecher. Diesen Verkehrsteilnehmern angepasst, die wenigen Straßenschilder.


Die 450 km lange Fahrt zum nächsten Tagesziel, der Mahangu Safari Lodge am Okavango-River, ist weit, aber für afrikanische Verhältnisse nahezu bequem. Man passiert den einst problematischen Caprivi-Strip heute auf der B 8, dem sogenannten Trans-Caprivi-Highway. Zwar ist dieser, gesponsert aus deutscher Entwicklungshilfe, nach europäischem Standard kaum mehr als eine Landstraße zweiter Kategorie, man rollt aber auf gutem Asphalt.

Im Lauf der Geschichte erlebte der Caprivi bewegte Zeiten. Während Deutsch-Südwest gehörte die abgelegene Grenzregion nicht zum unmittelbaren Interessen- und Einflussgebiet, blieb von Kolonialpolitik und Schutztruppe nahezu unberührt. Nach 1915, während des Mandats der Südafrikanischen Union, war der Caprivi brisant, da Brennpunkt im "Struggle of Liberation". Folglich blieb die Flusslandschaft mit ihrer Fauna und Flora lange Zeit touristisch unterentwickelt. Noch vor einigen Jahren holperte man mühsam über Schotter, zudem riskant wegen lokaler Sezessionsquerelen der "Caprivier". Eigentlich typisch für ganz Afrika, erklären sich auch die geographische Eigentümlichkeit und politische Problematik des Caprivi-Zipfels kolonialhistorisch: Zum einen erfolgte die Grenzziehung aus dem Abkommen zwischen Deutschland und England rein pragmatisch ohne Rücksicht auf ethnische Gegebenheiten der einheimischen Bevölkerung. Getrennt wurden gewachsene Stämme, die sich seitdem neben Namibia, teils in Zambia und Angola, teils in Botswana befinden; betroffen sind insbesondere Menschen vom Volk der Lozi, Mafwe, Subia, Nyemba und San; noch immer gehört die Bantusprache Lozi zur Umgangssprache. Zum anderen war der Zipfel noch bis kurz vor Unabhängigkeit Namibias im Jahre 1990 militärisches Sperrgebiet. Zwischen Südafrikanischer Union und SWAPO wurde größtenteils im Grenzgebiet nach Angola und Zambia gekämpft, von wo aus die seitens Ostblock, Kuba und DDR unterstützten Freiheitskämpfer operierten. 1975 richteten südafrikanische Militärs eine 600 km lange und 2 km breite Pufferzone ein. Noch 1999 kam es in Katima Mulilo wieder einmal wegen aufflackernder Loslösungsbestrebungen zu politischen Unruhen, verbunden mit einer Fluchtbewegung von Aktivisten nach Zambia und Botswana. Vor diesem Hintergrund, aus unserer touristischen Sicht schade, dass die Teerstraße nicht wie die alte Ufer-Pad in Sichtweite des Zambezi, sondern südlicher gebaut wurde. Vermutlich auch eine Vorsichtsmaßnahme, um den Verkehr im Falle lokaler Konflikte "außer Schussweite" zu halten.

Nach 60 km Kleinbus erreichten wir Lukulu, den Grenzposten Botswana-Namibia an der Ngoma-Bridge. 


Bis dahin erstreckt sich der Chobe Nationalpark. Dort hatte Richard Alberts speziell umgebauten, achtsitzigen Toyota-Allrad-Landcruiser mit Hänger fürs Gepäck geparkt; nach Botswana hinein durfte er in seiner Funktion als namibischer tour-guide nicht fahren. Der Wagen war blitzsauber, von Albert generalüberholt und neu bereift; zu fünft hatten wir darin reichlich Platz, konnten komfortabel reisen.




An der Grenze, ein paar stattliche Baobab-Bäume, einer mit begehbarer, ehemaliger Gefängnis-Höhle im Stamm, die Sibille fotogen erkundete; zudem grandioser Fernblick in die Flussebene.

 


Seitlich des Trans-Caprivi-Highways sieht man recht gepflegte Krale.




Anschaulich erklärte uns Richard Aufbau und Bedeutung der meist runden, von Holz- oder Stroh-Palisaden umgebenen Dörfer und Gehöfte, worin die Menschen noch heute traditionell mit dem Vieh zusammenleben. Die Sozialordnung in den Stämmen und Heimstätten ist geschlechtsspezifisch, hierarchisch und gewohnheitsrechtlich strukturiert. Fern von der Zentralregierung in Windhoek herrschen lokal Häuptlinge, headmen und sogar Könige. Eine gewachsene Konstellation, die unseres Erachtens für die Förderung des namibischen Nationalbewusstseins im Sinne von "Einheit in der Verschiedenheit" und "Versöhnung", sprich "Policy of Reconciliation", sowohl Chance als auch Erschwernis sein könnte. Ein ausgewogenes Maß an Loyalität, Toleranz und Gerechtigkeit zu finden, dürfte sicherlich nicht leicht sein. Die Eingeborenen gelten als handwerklich und künstlerisch begabt und fleißig. Man erfährt dies am Straßenrand, wo Körbe, Tonwaren und anderes Kunstgewerbliches angeboten werden. Bei dieser Gelegenheit berichtete Richard aus Farmersicht über Eigenarten und Talente bestimmter namibischer Stämme generell. Anschaulich seine Beispiele, welche Stammesmitglieder erfahrungsgemäß für welche Funktionen besonders geeignet sind. Interessant auch, dass von den Einheimischen aus der Grundnahrung Mahangu-Hirse vielerlei hergestellt wird, wie z.B. Brei, Torte, Bier und Schnaps.

Am Straßenrand, vielfältig, kreativ und eigentlich eine eigene Foto-Session wert, die vielen, je nach Bodenbeschaffenheit in Aufbau und Färbung unterschiedlichen Termitenhügel, von denen man stets nur "die Spitze des Eisbergs" zu Gesicht bekommt. Zu neugierig sollte man nicht sein; selbst in schon verlassenen sollen sich Schlangen wohl fühlen!



 

Nach 100 km, Ankunft in Katima Mulilo.

Das am Zambesi gelegene, nordöstlichste Grenzstädtchen Namibias ist lebhaftes Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum der Caprivi-Region. Mit der mittels Deutschlandhilfe von Hochtief gebauten, 2004 eröffneten, kühngeschwungenen "Zambesi-Brücke", die am Wenela Border Post über den hier recht breiten, rapids enthaltenden Fluss nach Sesheke in Zambia geht, dem airfield und Caprivi-Highway ist Katima heute Verkehrsknotenpunkt, Warenumschlagplatz und Bindeglied, quasi "Handelskorridor", zwischen Namibia, Zambia und Botswana. Der Ort verfügt über keine Kolonialrelikte, aber über einen durchaus sehenswerten Afro-Wochenmarkt, ein Craft Centre hinter dem open market, einige shops und Supermärkte, Bankfilialen und moderne Tankstellen. Für uns einmal mehr Gelegenheit zum Tankstopp. Der hier sonst übliche Umtausch in Namibia $ war noch nicht möglich, da wir sonntags durchs Städtchen fuhren und menschenumlagerte Bankautomaten meiden wollten.


Nächste Station, 118 km von Katima weg, die auf einer hochwassersicheren Uferterrasse gelegene Ortschaft Kongola. Dort überquerten wir auf der B 8 die verkehrswichtige "Kongola-Brücke" über den Kwando-River; er kreuzt hier, von Angola nach Botswana kommend, den Caprivi.

Rast machten wir auf Richards Empfehlung an der Straße im „Chicken Hut“: Fassade lustig bemalt, food out, coffee strange, urige Typen vor und hinter dem Tresen. Klaus machte es sich vor der Tür gemütlich, sah spielenden Kindern zu.


Anschließend kamen wir an einen der "Veterinary Checkpoints", die die Verbreitung von Tierseuchen, insbesondere der Maul- und Klauenseuche, verhindern sollen. Nach kurzer Begrüßung konnten wir zügig passieren.

Weiter ging es auf der B 8 durch den Bwabwata Nationalpark. Vor ein paar Jahren aus der Fusion von Mahango Game Reserve und West-Caprivi Game Park entstanden, zählt dieser zu den landesweit schönsten und vielseitigsten Wildreservaten. Erklärtes Ziel: Die Regeneration der durch Krieg und Wilderer reduzierten Wildbestände. Von Angola her durchquert hier der Okavango-Fluss den Caprivi. Die Landschaft mit ihren Flussauen, Überschwemmungsebenen, Sümpfen und Waldsavannen gibt vielen Tier- und Vogelarten Schutz.

Nach 200 km erreichten wir Divundu. Der Ort hat gewissen Stellenwert für die Kavango-Region; bei bloßer Durchfahrt fallen jedoch nur ein paar Häuser, Tankstelle und Supermarkt auf. Links der Straße kam der Okawango in Sicht. Etwas weiter, beim Dorf  Bagani, dem Sitz von "local kings", passierten wir den Fluss über die "Bagani-Bridge", fuhren links ab 7 km am Fluss entlang, bogen auf dem Schleichweg ab zu den Popa Falls. Sie heißen im Volksmund auch „brodelnde Wasser“, was verdeutlichen soll: Eigentlich kein echter Wasserfall, sondern Stromschnellen. Auf einen Kilometer Breite wird der Okawango von einem Felsenriff durchzogen, welches wie ein Wellenbrecher rapids verursacht. Es fällt auf, wie klar das Wasser ist; man spricht daher auch von „White Falls“. Auf den Schleichwegen vom Park- und Campingplatz im Busch bis hin zum Fluss ist Vorsicht geboten: Das saubere Wasser mundet auch den Krokos und Hippos! Seltsam, die riesigen Spinnennetze in den Bäumen am Parkplatz; die "Hausbewohner" selbst hatten sich gut versteckt.


Inmitten dieser Natur, unweit der Popa Falls, direkt am Ufer des Okavango, liegt die Mahangu Safari Lodge, unser zuhause für die nächsten zwei Tage.

Man erreicht sie über einen schmalen, sandigen Damm durch ein Überflutungs-Reservoir mit Seerosen. Fröhliche Kinder winkten uns aus ihrem Einbaum zu. 


Wir hatten in dieser idyllischen lodge schon vor zwei Jahren, kurz vor ihrer Überschwemmung durch eine von Angola kommende Flutwelle, gewohnt. Damals schaffte man eiligst Sandsäcke herbei, ankerte die Boote der lodge schon startklar für eine etwaige Evakuierung. Albert fragte sich damals besorgt, wo er seinen Geländwagen wohl am sichersten parken konnte.

Schattig, unter hohen Marullabäumen verstecken sich die afrikatypischen, strohgedeckten Häuschen und die Wohnzelte der lodge. Auf dem Weg erinnerte uns die Haut einer gehäuteten Schlange, dass man bei aller Idylle in Afrika ist! Afrikanisch auch, die mit Jagdtrophäen geschmückte Bar. Unser Essen, originell auf einem Ponton am Flussufer unter Tierbeobachtung. Unser Keksproviant, nachts Opfer eines hungrigen Mäuschens.






Am nächsten Morgen, game drive im eigenen Wagen durch den nahe gelegenen "Mahango Game Park", jetzt erstmals mit open roof. Das handling des Fotodecks im team hatte Richard uns schnell beigebracht. 


Der Park, quasi nördlicher Ausläufer des berühmten Okawango-Deltas, ist hauptsächlich Paradies für birdwatchers; es soll hier die meisten Vogelarten Namibias geben. Wir erspähten u.a. Strauß, Rotbauchwürger, Gabelracke, Gelbschnabeltoko, Malachit Eisvogel und sogar Palmengeier. Dazu gab es im dichten Papyrus und Fingergras Impalas, Hippos, Warzenschweine, Giraffen, Pferdeantilopen und einen Rollkutscherkäfer am Wegrand. Befahrbar ist der Mahango Park über eine östliche und eine westliche Route. Erstaunlich, wie zuverlässig Richards Navi selbst in dieser Wildnis funktionierte!




Am Nachmittag fand mit Bootsführer Bernhard ein gemächlicher game drive entlang des Okawango-Ufers bis hin zum Buffalo-Park statt. Im Uferdickicht zeigte sich wieder eine Menge farbenprächtiger Vögel. Beim romantischen sundowner im Boot, gab es einen nicht ganz so freundlichen Abschiedsgruß vom letzten Hippo unserer Reise, dessen abendliche Ruhe wir wohl ein wenig gestört hatten. We feel sorry!















Von VicFalls zum Chobe-River

Gleichwohl reichlich durchnässt, kehrten wir zu dem am Auto wartenden, über unser Aussehen leicht amüsierten, Mike zurück. Nun hieß es, auf zum Chobe!

Der Chobe, tierreicher Nebenfluss des Zambesi, ist eigentlich nicht fließend sondern dümpelnder Überlaufarm der von Angola kommenden Flüsse Zambesi und Kwando bzw. Linyanti. In der Regenzeit wird er wach, kann mehrere Kilometer breit werden und zu weitflächigen Überschwemmungen führen, was wir 2010 hautnah erlebt hatten. Unser Etappenziel war das kleine, bei Afrika-Kennern bekannte Chobe-Städtchen Kasane an der Grenze Botswana-Namibia. Um dorthin zu gelangen, passierten wir zunächst problemlos die Grenze von Zimbabwe nach Botswana bei Kasungula. An der "Foot-and-Mouth Disease Control" mußten wir vorschriftsgemäß mit den Schuhen durch eine Schüssel mit "Holy Water" waten, währenddessen die Autoreifen mittels Schlauch kurz abgespritzt wurden. Bleibt zu hoffen, dass diese Präventivmethode tatsächlich effizient ist!


Die Kasungula Road, in gutem Teerzustand und nahezu ohne Autoverkehr, verläuft parallel zum Zambesi, aber nicht direkt am Fluss. On the road hatten wir dennoch an geeigneter Stelle einen Eindruck vom wasserreichen, gleichwohl nicht durchgängig schiffbaren Strom Afrikas, der zum Indischen Ozean fließt. Kurz vor Kasane hielten wir am riesigen Exemplar eines Baobab-Baumes an. Der Legende nach soll diese Baumart Gott bei der Schöpfung gehörig genervt haben. Wegen permanenter Nörgeleien über ihr Aussehen hatte er sie letztendlich zur Strafe mit den Wurzeln nach oben eingepflanzt. Heute bestaunen Touristen gerade deshalb die Skurrilität der Affenbrotbäume.


Nach 80 km erreichten wir nachmittags rechtzeitig Kasane. Wichtig zu wissen: Das botswanische Immigration Office direkt am Chobe schließt gnadenlos um 16.30 Uhr. Das namibische Pendant liegt ein paar Kilometer weiter versteckt auf der anderen Flussseite. Kommt man zu spät, kommt man nicht rüber! Eine Brücke gibt es nicht; man braucht ein Boot. 
 

Dank guter Vorbereitung, für uns no problem! Wir wurden schon am Immigration Office von Alta Visagie herzlich wie gute Freunde empfangen. Die sympathische, geschäftstüchtige Chefin der Zovu Elephant Lodge wurde u.a. dadurch bekannt, dass sie lange Zeit das von ihrem Mann selbst gebaute Hotelschiff „Zambesi Queen“ managte.

Zu unserer freudigen Überraschung war auch Richard Riedel, unser Nomtsas-tour guide, schon anwesend. Wir hatten ihn eigentlich erst nach drei Tagen erwartet. Er hatte mit Geländewagen nebst Hänger schon 1300 km Anreise hinter sich. Im Hauptberuf selbständiger Farmer auf der Farm Bonanza bei Gobabis ist er on the side einer der besten ranger Alberts. Eine freundliche Begrüßung mehr. Richard war uns allen auf Anhieb sympathisch; eine spontane Empfindung, die sich voll und ganz bestätigen sollte!

Sein Slogan: „Das Afrika, das zieht sich!“ Wir sollten noch oft Gelegenheit haben, uns vom Wahrheitsgehalt dieser Weisheit zu überzeugen.

Alta, die die customs officers bestens kannte, erledigte für uns die Grenzformalitäten. Ihr Boot mit Bootsführer Michael lag abfahrtbereit vorm Immigration Office. Das Gepäck im Nu aufgeladen und schon schipperten wir gemächlich auf dem Fluss. Für die bei ihr traditionellen gin tonic-welcome-drinks hatte Alta gesorgt. Africa-feeling pur! Mehr und mehr verinnerlichten wir: "In Africa, time is slower, so, tune into African time"!
 


Nach einer Weile kam etwas versteckt Zovu Elephant in Sicht. Altas crew stand am Ufer, begrüßte uns mit Gesang! Altas lodge liegt dem botswanischen Chobe Nationalpark gegenüber, etwas westlich der lange zwischen Namibia und Botswana umstrittenen Impalila Insel. Altas Mann hatte die Anlage selbst gebaut. Alle gepflegten, geräumigen Bungalows haben Direktzugang zum Fluss. Gleiches gilt natürlich vice versa für Krokodile und Flusspferde, die es hier reichlich gibt. 




Schon etwas besonders, das nächtliche Hippo-Grunzen vor der Tür! Eine nette Geste: Alta hatte für Sibille und mich unser Häuschen Nr. 1 vom letzten Mal reserviert. Heide und Klaus wohnten direkt nebenan. Zovu Elephant, ein Geheimtipp für Naturfreunde!


Drei Tage lang war nun ausgiebiges, aufregendes boating angesagt. Ständig stand uns eines der Alu-Pirschboote mit versiertem Bootsführer zur Verfügung. 

Einzig zum Essen, darauf legte Alta Wert, sollten wir pünktlich zurück sein. Bei allem Entdeckerdrang wichtig, die tägliche Malarone-Tablette gegen Malaria; befanden wir uns doch in dem Teil Namibias, der ausschließlich in den Tropen liegt.

Direkt nach dem lunch starteten wir im sonnenüberdachten Alu-Boot mit Toilette an Bord zum ersten booat game drive auf dem Chobe. Die Landschaft afrikanisch: Zur einen Uferseite das flache, relativ pflanzenarme Schwemmland des Flusses mit einigen Hügeln und größeren Baümen, gegenüber der hinter erhöhter Uferböschung mit kleinen Buchten beginnende, subtropische Wald- und Pflanzenbewuchs des Chobe-Nationalparks.


Skipper Michael hatte stets das richtige Gespür: Wir erlebten unvergessliche Erstbegegnungen mit zahlreichen Elefanten, Flusspferden, Riesenkrokodilen, Waranen, Giraffen, Pavianen und Impalas, den sog. „Mc. Donald-Antilopen“ und immer wieder mit Springböcken sowie vielen Vogelarten bis hin zum Schreiseeadler, dem African Fish Eagle, der "Stimme Afrikas". 


Wir kamen vorbei an der Chobe Game Lodge, wo einst Liz Tailor und Richard Burton in jungen Jahren geurlaubt haben sollen. Schon bald hatte Klaus seinen markanten "Orientierungsbaum" in der Ferne für die Rückfahrt auf Kurs ausgemacht!


Abends, beim diner auf Zovu, fand eine rege Gesprächsrunde über Gott, Afrika und die Welt mit einem zufällig anwesenden, farbigen Wanderprediger statt.

Am nächsten Tag konnten wir infolge starken Windes und Wellengangs erst gegen 10.00 a.m. mit dem Boot hinaus. Wir pirschten weit flußaufwärts bis hinter die Savanna Lodge, wurden reichlich belohnt mit Flusspferden, Krokos, Seeadlern und Störchen. Nach Mittagessen, Kaffee und Kuchen erneutes boating, diesmal flussabwärts, vorbei an den am Kasane-Ufer liegenden Chobe Safari-, Merina- und Mowana Lodges bis hin zu den doch etwas nervenkitzelnden rapids am Zusammenfluss von Zambezi und Chobe. Höhepunkt dort, eine dicht bewohnte Nimmersatt-Vogelkolonie an riskantem, aber fischreichem Standort.  



Bei Rückkehr beobachteten wir gegenüber Zovu eine Herde Elefanten beim abendlichen Bade.




Highlight des letzten Tages bei Alta war die von ihr für uns bei Janala Safaris mit Slogan "It`s Game after Game!" organisierte Pirschfahrt per open-air-offroader auf der anderen Flussseite in Botswana. Dazu mußten wir zunächst wieder die Grenze am Immigration Check Point passieren. Mit Matt, unserem sach- und ortskundigen Fahrer, kamen wir nach kurzer Anfahrt durchs Sedudu Gate in den berühmten Chobe Nationalpark. 


Natürlich waren wir, wie jeder Fotosafarist, auf der Suche nach den „Big Five“: Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Sie sollen übrigens deshalb als "big" gelten, weil man früher "in big danger" war, wollte man sie jagen! Elefanten, Büffel und Löwen zeigten sich uns mehr als genug; Das schlecht sehende, aber bestens witternde Nashorn sowie der scheue, höchstgefährliche, nachtaktive Leopard waren uns dort noch nicht vergönnt; dafür aber eine Menge Warthogs, Impalas, Kudus, Pferde- und Puku-Antilopen, Marabus und zudem Geier. Ursache für die vielen Aasfresser war ein toter Elefant am Wegesrand. Nach Rückkehr zur lodge und Kaffee mit Kuchen starteten wir nochmals mit Michael zu einer erfolgreichen Wassersafari.

Später ließen wir unseren letzten Abend auf Zovu gemeinsam mit der liebenswürdigen, gastfreundlichen Alta doch etwas wehmütig bei leckerem Essen und gekühltem Fälingers „Mann mit Hund“ ausklingen.





Unsere tiefe Überzeugung: Gerade den Nordosten Namibias sollte kein Fluss- und Tierliebhaber auslassen!

Hier soll mit dem KAZA-Naturpark das größte Schutzgebiet Afrikas auf einer Fläche entstehen, die in etwa so groß wie Schweden, insbesondere den Elefanten länderübergreifende Migrationswege öffnen soll. Der von Deutschland finanziell geförderte, nach den Flüssen Kavango und Zambesi benannte Megapark soll sich im Endstadium über die fünf Länder Namibia, Angola, Botswana, Zambia und Zimbabwe erstrecken und mit ca. 440.000 Quadratkilometern 36 Nationalparks, Schutzgebiete und Reservate vereinen, darunter auch die drei Nationalparks des Caprivi mit ihrer Artenvielfalt an wilden Tieren. Die "Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area" ist sicherlich ein überaus lobenswertes und mutiges Projekt, das, falls es auch zwischenstaatlich politisch harmonisiert wird und die natürlichen Konflikte zwischen Mensch und wildem Tier minimieren kann, ohne Zweifel die wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere des Tourismussektors fördern würde und der Wohlfahrt der lokalen Bevölkerung zugute käme. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass der Weg dahin sehr viele Hemmisse in sich birgt!

Über Johannesburg nach Victoria Falls



Direkt nach Pfingsten, take off mit South African Airlines zu den Victoriafällen! Der Flug Frankfurt via Johannesburg nach Victoria Falls, fast schon Routine. 10 Stunden halbleerer Airbus bis Jo`burg, Zweiersitze hintereinander, die Nacht über versorgt und geschlafen; Null Zeitverschiebung bei Ankunft am hochmodernen O. R. Tambo International Airport. Morgens, bei strahlendem Sonnenschein, eindreiviertel Stunden Anschlussflug nach VicFalls. Die gewissenhafte, mithin zeitintensive Passkontrolle am kleinen airport, humorvoll-geduldig ertragen; small talk am Schalter: „Welcome to Zimbabwe, nice to see you again“. Der Blick zur Kofferluke mit Erleichterung: Unser Gepäck, das man ja gerade auf Safari so dringend benötigt, mit  angekommen!


Zweites Aufatmen draußen: Linsey, ein junger Schwarzer mit Schild „Boemans“, begrüßte uns freundlich, shuttelte uns, beobachtet von ersten Pavianen, die 20 km zum Kingdom Hotel. Vorsorglich hatten wir eine Übernachtung in VicFalls gebucht, um mehr Zeit für die Fälle zu haben. Das Hotel, mit angeschlossenem Casino, großzügig und phantasievoll afrikanisch gestaltet, in bester Lage am Ortsrand. Am Eingang, beeindruckende Stahlfiguren vom berühmten Shaka Zulu mit seinen Kriegern. Der Zulu-König war dereinst bei seinen Feinden bewundert und gefürchtet wegen seiner revolutionären "Iklwa"-Kampftaktik: Kurzer Stossspeer und großer Kuhhautschild bei stierkopfförmiger Schlachtformation.


Vom großzügig-fantasievoll angelegten Hotelpark mit seinen Biotopen und pools aus nur ein paar hundert Meter Fußweg, begleitet von Affen, Warzenschweinen und Elefantenlosung, durch den Busch des Victoria Falls Nationalparks zum grandiosen look out auf den Zambezi und die historische Bogenbrücke nach Zambia.

Die legendäre "Victoria Falls Bridge" wurde auf Initiative des berühmt-berüchtigten Cecil Rhodes, dem Gründer Rhodesiens sowie der De Beers Diamanten- und Goldminen, als Teil seiner Kap-Kairo-Kolonialplan-Utopie aus in England vorgefertigten Stahlkonstruktionen 1905 fertiggestellt. Als Teilstück sollte sie dazu beitragen, das Kap der Guten Hoffnung quer durch den afrikanischen Kontinent per Bahn mit Kairo zu verbinden und so ehrgeizige englische Expansionsgelüste flankieren.

Hinter der Brücke ist der gewaltige Zambezi-Fluss bereits „gefallen“, macht sich in Hotelnähe tosend und rauschend durch tiefe, eng gewundene gorges in den Basaltfelsen auf und davon auf seinem langen Weg zum Indischen Ozean.

Das Personal im Kingdom Hotel, ausgesprochen freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend. Die Erklärung für den längeren Kofferspaziergang durch menschenleere Hotelflure: Man wollte uns Zimmer mit besonders schöner Aussicht in den Park geben. Das exotische Diner-Buffet für die wenigen Gäste, mit afrikanischer Tanz- und Musikshow im Hintergrund, geschmackvol und frisch zubereitet mit verschiedenen Fleischsorten. Klaus probierte mutig first time Krokodil.



VicFalls selbst verdankt seine Existenz dem Tourismus. Von den wirtschaftlichen und politischen Problemen Zimbabwes spürt man dort relativ wenig. Gleichwohl kann von Touristenhochburg keine Rede sein. Wir sahen beim Bummel durch den Grenzort zwar mehrere, durchaus selbstbewusste Warzenschweine auf Futtersuche, aber nur eine Handvoll Menschen, schon gar keine weißen. Ganz offensichtlich nutzt der Nachbarstaat Zambia erfolgreich die Chance, Teile des Touristenstroms auf seine Seite der Fälle nach Livingstone und zum „Mosi-oa-tunya-Nationalpark“ umzuleiten. Schöne lodges, u.a. mit freiem Direktzugang zu den „Eastern Cataracts“ und „Rainbow Falls“, wurden dort errichtet.

Nach reichhaltigem Frühstücksbuffet im nahezu leeren Hotel holte uns pünktlich um 10.00 Uhr der Transferpartner Alberts und Altas ab. Welch freudiges Wiedererkennen: Es war Mike, der uns schon vor zwei Jahren gefahren hatte! 


Angesagt waren zunächst die Wasserfälle. Sie, fünfarmig verzweigt, mit zwei Kilometern Bruchkante und fast 100 m Tiefe, sind an den „Main Falls“ am spektakulärsten. Am Main Entrance Gate bezahlten wir 30 US $ each und sagten zunächst dem Schotten, Missionar und Afrikaforscher Dr. David Livingston auf seiner Statue „Hello“. Der wagemutige Engländer hatte 1855 als erster Weißer die Fälle zu Gesicht bekommen; benannte sie zu Ehren der damaligen Queen Victoria. Von seiner Statue aus blickt er noch heute mit energischer Miene durch die Büsche in Richtung "Devil`s Cataract", der niedrigsten, gleichwohl tosendsten Stelle der Fälle.


Nach dem obligatorischen Gruppenfoto mit ihrem Entdecker das Urerlebnis mit den Wassermassen! Wir hatten Glück: Gegenüber 2010 war die Regenzeit schon länger vorüber, die berüchtigte Gischtwolke nicht mehr ganz so hoch. Verkleidet mit Regenhaut, Regenschirm und Mütze ließen sich der glitschige Regenwald-Pfad halbwegs sicher beschreiten und immerhin second best-Fotos von den gigantischen Wogen und vom legendären Regenbogen machen. Wir schafften es sogar bis zum „Danger Point“ mit tiefster Fallhöhe. Auf ein Badeerlebnis der besonderen Art im "Devil`s Pool" direkt an der Bruchkante verzichteten wir verständlicherweise nicht nur aus saisonalen Gründen. Der „donnernde Rauch“, immer wieder ein Spektakel, besonders zur wasserreichen Jahreszeit!

 

 


Vom Plan zur Tat


Wir waren wieder dort, wo es uns so gut gefällt! Seit Jahren gilt unsere Liebe Afrika, vor allem Namibia!

Warum dies so ist, lässt sich nicht einfach beschreiben. Ausschlaggebend sind persönliche Präferenzen und Wertvorstellungen, Erlebnisse und Erfahrungen. Im Vordergrund stehen die Exotik des faszinierenden Kontinents, seine urwüchsige Natur, die wilden Tiere und freundlichen Menschen aller Hautfarben. Besonders Namibia hält uns mit seiner einzigartigen, durch Weite, Vielfalt und Kontraste geprägten Landschaft, dem multikulturellen Miteinander und nicht zuletzt aufgrund geschichtlicher Verbundenheit gefangen.

Afrika heißt für Sibille und mich nach wie vor Abenteuer pur!

Der „Afrika-Bazillus", den nur wahrhaftige insider kennen und verspüren, wurde schon September vergangenen Jahres in uns reaktiviert - getreu der alten Lebensweisheit der Ureinwohner: "Du kommst und du gehst, doch wenn du wiederkommst, wirst du bleiben"! Für uns „alte Afrika-Hasen“ kam der willkommene Impuls seitens unserer guten Freunde Ingrid und Armin, mit denen wir bereits im Frühjahr 2010 gemeinsam mit Albert, Diethard und Gunnar auf Abenteuersafari waren. Damals noch Afrika-Neulinge, liegen seitdem beide mit uns auf gleicher Wellenlänge. Diesmal als newcomers mit von der Partie, Heide und Klaus. Zu sechst genau passend, um mit ranger und offroader individuell Afrika zu erleben.

Die Grobplanung war schnell abgesteckt: Für Heide und Klaus sollte es ein möglichst großes Namibia-Programm werden. Wir anderen wollten highlights der letzten Safari vertiefen, Neues entdecken sowie den landschaftlich und historisch eindrucksvollen Süden einbeziehen.

 "Schwarzafrikanischer“ Ausgangspunkt: Erneut das „Weltwunder Victoriafälle“ im 4-Länder-Eck Zimbabwe-Zambia-Botswana-Namibia im hohen Norden.

Von dort, Ost-West-Durchquerung des fingerförmigen „Caprivi-Zipfels“, dem nachhaltig gebliebenen Appendix aus dem Helgoland-Zansibar-Vertrag, den Bismarcks Nachfolger, Reichskanzler Georg Leo Graf von Caprivi, 1890 zu Stande brachte. Im Sinne kolonialer Kompromisspolitik wurden seinerzeit im wesentlichen Zansibar England, Helgoland und Caprivi Deutschland zugesprochen. Zuvor wurde der Landstrich unter dem Namen "Intenga" vom König der Lozi regiert, wurde danach Protktorat im britischen Bechuanaland, dem heutigen Botswana. Der deutsche Traum, über den Caprivi, quasi als eine Art Transitbrücke, Zugang zum Zambezi und so auf dem Land- und Wasserweg von Deutsch-Südwestafrika nach Deutsch-Ostafrika zu gelangen, endete mit dem 1.Weltkrieg. Soweit die Vergangenheit. Heute wissen Afrikaexperten: Nur dort, im äußersten Norden Namibias, besteht Gewissheit, hautnah Elefanten, Flusspferde und Krokodile, wildlife en masse zu erleben. Zählt doch der tropisch-grüne strip entlang der Flüsse Zambesi, Chobe, Kwando und Okawango wieder zu den tierreichsten der Welt; gut ein Drittel der Elefantenpopulation Afrikas lebt dort.

Ab Rundu an der angolanischen Grenze, sollte es sodann im Zickzack gen Süden durch ganz Namibia gehen, bis hinunter ins Diamanten-Sperrgebiet nach Lüderitzbucht und zum Fish River Canyon nahe der Grenze zu Südafrika.

Unser Safaripartner stand von vornherein fest. Kein anderer als Freund Albert Voigts von Schütz, der sympathisch-dynamische Chef von Nomtsas Safaris und von Nomtsas, eine der landesweit größten und ältesten Farmen, konnte so kompetent und schnell all unsere Präferenzen maßgeschneidert organisieren. Auch verfügt Albert über das erfahrene Team und den safarigerechten Fuhrpark, um sicher „op Pad“ zu gehen. Schließlich wollten wir den Großsteil der Strecke auf den für Namibia so typischen, staubig-holperigen Kies-/Schotter-/Sandpisten ("gravel roads" bzw. Pads) fahren. Sie machen mehr als 80 Prozent der Infrastruktur aus und sind im Vergleich mit den Teerstraßen ("tarred roads") gerade für newcomers wahres Naturerlebnis.


Erwartungsgemäß verlief die e-mail-Abstimmung von Route, Stationen und Aktivitäten reibungslos. Einmal mehr zeigte sich, wie bekannt, bewährt und geschätzt Albert im ganzen Lande ist. Schon bald waren Planung und Organisation der Reise bis ins Detail festgezurrt. Eigentlich konnte nichts mehr schiefgehen. Aber, wie so oft im Leben, gab es dennoch wenige Tage vor Abflug eine unerwartete Überraschung: Armin musste sich einer ernsten Operation unterziehen, die seine und Ingrids Teilnahme leider unmöglich machte. Bad luck - that`s life!

Hier die Etappen und Erlebnisse unserer Abenteuersafari mit der Intention, Interessierte zu infizieren: