Samstag, 30. Juni 2012

Vom Canyon zum Köcherbaumwald

Nach dem Fish River Canyon war unser nächstes Etappenziel der Köcherbaumwald bzw. „Quiver Tree Forest“ bei Keetmanshoop.

Dazu ging es zunächst zurück auf der C 37 mit stopover im Canyon Road House. Kurios: Inmitten der Einsamkeit eine Art Oldtimer-Museum mit Restaurant, shop und angeschlossener lodge. Die in Deutschland wohl recht teueren Oldtimer wurden dem Museum von Einheimischen gespendet. Zum schmunzeln, der Gang zur Toilette!
 


Danach ging es auf der C 12 wieder an Holoog vorbei bis zum Abzweig D 545. Fotostopp am Dank des Löwen-Reviers gut gefüllten Naute-Damm, der der Wasserversorgung von Keetmanshoop dient. In dessen Umfeld baut man seit einiger Zeit erfolgreich Datteln und Weintrauben an, die u.a. nach Deutschland exportiert werden. Von dort auf die B 4 und noch 30 km bis Keetmanshoop. Wir waren jetzt ca. 200 km von der Canyon Lodge entfernt.


Keetmanshoop, am Swartmodder Revier gelegen, ist eine der ältesten deutschen Ansiedlungen. Schon 1860 wurde hier eine Missionsstation gegründet. Es war die „Hoffnung“ des reichen Geschäftsmannes und Präsidenten der Rheinischen Missionsgesellschaft Johann Keetman, wonach die Stadt auf Afrikaans heißt. Er, der selbst nie im Lande war, hoffte, durch großzügiges Sponsoring der Mission, die ansässigen, teils verfeindeten Nama-Stämme zu beeindrucken und zu christianisieren. Bis 1915 war Keetmanshoop das südliche Hauptquartier der Schutztruppe mit befestigtem Fort. Noch immer lassen eine Reihe Nationaldenkmäler im deutschen Kolonialstil Gründerzeit erkennen. Sehenswert sind z.B. die Granitkirche der Rheinischen Mission aus dem Jahre 1895 und das Kaiserliche Postamt von 1910, heute Touristenbüro.


Die belebte Stadt an der B 1, der Nord-Süd-Achse Namibias, ist wichtiges Wirtschaftszentrum und Verkehrsknotenpunkt für Straße, Luft und Schiene, angebunden an Südafrika. Sie wurde schon 1907 Mittelpunkt der Zucht von Karakulschafen, den einstigen „black diamonds of Namibia“. Das gelockte Fell der Lämmerwird zu Pelzmänteln und Teppichen verarbeitet. Als Distrikthauptstadt der Karas-Region tituliert man Keetmanshoop, 500 km von Windhoek entfernt, auch „Hauptstadt des Südens“.

Keetmanshoops highlight ist der Köcherbaumwald. Dabei ist „Wald“ nicht wörtlich zu nehmen: Im Grunde handelt es sich um eine größere Ansammlung verstreut zwischen Granitbrocken stehender Pflanzen, die bis zu 300 Jahre alt sein sollen. Auch ist der Kokerboom kein richtiger „Baum“, sondern eine mehrere Meter hoch werdende, Wasser speichernde Baum-Aloe. Der Name bezieht sich auf das relativ dicke, leicht auszuhöhlende Holz, woraus die Buschmänner Köcher für ihre Jagdpfeile schnitzten. Köcherbäume sind eigentümlich dekorativ: Vom geraden, schuppig-glatten Stamm aus verzweigen sich fingerartig fächernde Blätter. Wir besuchten die Exemplare der staatlichen Farm, weil dort noch spätnachmittags eine Gepardenfütterung stattfand. 


Speziell bei untergehender Sonne boten uns die Kontraste der zur Zeit blühenden Bäume gegen den Abendhimmel einmalig schöne Fotomotive.


Auf dem Rückweg zu sehen: „Giants`Playground“, der „Spielplatz der Riesen“. Kurz vor absoluter Dunkelheit konnten wir noch einen Blick auf das basaltische "Warzenfeld", einheimisch „Vratteveld“ genannt, werfen; eine Ansammlung aufgestapelter und verschachtelter Felsbrocken. Man sagt, sie erwecken den Eindruck, Riesen hätten mit Bauklötzen gespielt. Kurios, aber den Vergleich mit „Bull`s Party“ im Erongo hält Giants`Playground nicht stand.



Wir wohnten in Keetmanshoop im Gesserts Guesthouse, eine ruhig gelegene, freundlich-familiäre Frühstückspension mit Pool und schönem Garten. Klein, aber fein, berühmt fürs Frühstück! Weiterer Vorteil: Alle Sehenswürdigkeiten von dort aus schnell erreichbar. Hendrik Gesserts, offensichtlich Sammler von blauweißem holländischem Nippes, überließ uns und einem netten Paar aus Israel freundlich Fernseher und Sofa für das Spiel Deutschland gegen Dänemark der Fußball-Europameisterschaft.

Deftiges Abendessen und „Mann mit Hund“ gab es nach einiger Suche durch nahezu unbeleuchtete Gassen im legendären, 1907 vom Schutztruppler Hermann Schmitz gebauten "Schützenhaus", Keimzelle des ältesten deutschen Klubs im südlichen Afrika.




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